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Übung des Katastrophenhilfszugs in Rumänien/Arad

Geschrieben von: Gwechenberger Balthasar Mittwoch, den 28. Oktober 2015 um 06:19 Uhr

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Unser TLF in der Nähe der Ortschaft Balastiera Paulis, ca. 30 km von Arad entfernt
Von 22. bis 25. Oktober 2015 fand im Rahmen der Ausbildung der EU- Katastrophenhilfe eine „Module-Exercise“ in Arad, Rumänien statt, an der sich mit Balthasar Gwechenberger, Christian Perschl, Martin Buchner und Richard Reithofer auch wieder 4 Mitglieder der FF Lamprechtshausen beteiligten.

Seitens des Landesfeuerwehrverbandes Salzburg wurde das HCP (High Capacity Pumping) Modul für diese Übung mit 34 Personen und 11 Fahrzeugen entsandt – darunter auch unser Tanklöschfahrzeug. Die Einheit wurde von 2 Mann des Roten Kreuzes Salzburg mit einem RTW unterstützt.

Der gesamte Zug wurde am 22. 10. um 5 Uhr früh von der Landesfeuerwehrschule verabschiedet und setzte sich Richtung Rumänien in Bewegung. Nach einer problemlosen Anfahrt durch Österreich und Ungarn traf die Einheit um 18:30 Uhr Lokalzeit am Grenzübergang Naglac in Rumänien ein. Dort wurde das Team von einer lokalen Eskorte bis zum geplanten RDC (Reception- and Departure Center) geleitet. Nachdem die Salzburger Mannschaft als erstes der angeforderten Teams angekommen war, wurde die Führungsmannschaft gebeten, dem EUCPT-Team (das „European Civil Protection Team“ ist eine Koordinationsstelle aller anwesenden Module) bei der Auswahl eines geeigneten Standortes für den Aufbau der BoO (Base of Operation) zu helfen.

 

Als erste „Übungseinlage“ wurde eine Diskussion über die Aufteilung des vorhandenen Geländes für den Aufbau der Zelte der eingesetzten Mannschaften aus Bulgarien, der Tschechoslowakei und Österreich angefacht, welche – zum Leidwesen der Mannschaften – erst nach rund 2 Stunden befriedigend gelöst wurde. Danach wurde sofort mit dem Aufbau der Base begonnen; wobei zum ersten Mal bei einem Auslandseinsatz auch eine komplette Sanitärversorgung mit aufgebaut wurde. Somit konnte die völlige Autarkie der Salzburger Einheit nachgewiesen werden d.h. es ist keine wie auch immer geartete Versorgung seitens der anfordernden Nation notwendig (Unterkunft, Energieversorgung, Verpflegung usw.).

Um 01:00 Uhr war die Unterkunft zur Freude aller bezugsfertig – wer jetzt auf eine erholsame Ruhezeit hoffte wurde aber enttäuscht da bereits der erste Einsatz abzuarbeiten war. Nach einer kurzen Evaluierung vor Ort wurde ein Teil der Einheit mit dem HWA-Anhänger unter der Leitung des Operations Managers Martin Beitschek eingesetzt, um einen bereits teilweise überschwemmten Schutzdamm der Stadt Arad (ca. 150.000 Einwohner) durch Pumparbeiten zu entlasten. Dazu musste zuerst sowohl der Zufahrtsweg als auch ein Weg für den Kranausleger mit Motorsägen freigeschnitten werden. Als Übungseinlage waren auch mehrere Anrainer vor Ort, die lautstark ihren Missmut über die ihrerseits lange Dauer bis zum Beginn der Arbeiten ausdrückten.

Nach einer angeforderten Prüfung der Wasserqualität (vermutete Kontamination) konnten um 4 Uhr morgens sämtliche Pumpen der HWA-Einheit die Arbeit aufnehmen und mit voller Leistung die Entlastung des Dammbauwerkes beginnen. Um 6 Uhr wurde das angeforderte Übungsziel erreicht und die HWA-Einheit konnte wieder in die BoO verlegen.

Sofort danach wurden am nun zweiten Tag der Übung der Teamleader Guido Harucksteiner und die Operations Manager Franz Schönleitner und Klaus Lugstein zur Beurteilung der Lage in den Ort Balastiera Paulis beordert. Die Herausforderung an dieser Stelle war von einer Reihe von Deichanlagen das Wasser in einen Entlastungskanal zu pumpen, um 5 darunterliegende Dörfer vor massiven Überflutungen zu schützen.

Diese Aufgabe wurde von den Operations-Managern als alleine nicht durchführbar vorerst abgelehnt, da die HCP-Einheit nicht über die geforderten 1200 m Schlauchlängen für die Hochleistungspumpen verfügt (das Fact-Sheet der Einheit gibt 1 km an).

Da auch die bulgarische Einheit ihre gestellte Aufgabe alleine nicht bewältigen konnte, musste mit den lokalen Einsatzleitern (LEMA) ein Konsens hergestellt werden, welche der beiden geplanten Stellen nun gemeinsam abgearbeitet werden kann. Gegen Mittag wurde dann nach vielen Diskussionen beschlossen, das „österreichische“ Szenario gemeinsam abzuarbeiten.

Eine technische Abstimmung in der BoO (Kompatibilität von Kupplungen) die Möglichkeit, beide Teams zu einer gemeinsam 1200 m Leitung zu kombinieren. Es wurde beschlossen, mit der HLP Pumpe anzusaugen und eine knapp 400 m lange, doppelte Leitung mit F-Schläuchen (150 mm) über einen leichten Anstieg (12 m Höhenunterschied) zu legen und damit die bulgarische Einheit zu versorgen.

Dieser Lösungsvorschlag konnte jedoch durch den Ausfall der Steuereinheit der bulgarischen Hochleistungspumpe nur mit geringer Förderleistung realisiert werden. Das von der HLP zusätzlich geförderte Wasser wurde über Zwischenschaltung eines TLF und eines Wasserwerfers in ein nicht betroffenes Gebiet geworfen. Der Einsatz der HLP stellte das Team auf Grund der extrem sandigen Bodenverhältnisse zudem vor eine Herausforderung, die Pumpe konnte erst im 3. Anlauf in Stellung gebracht werden.

Noch während des Aufbaues der Leitung wurde ein Teil der Mannschaft mit transportablen Pumpen (zwei TS, 3 Tauchpumpen) in ein von akuter Überschwemmung bedrohtes Dorf gerufen, um einen Bereich auszupumpen, in dem überschwemmte Sprengmittel vermutet wurden. Bei diesem Einsatz wurde das Team von einer tschechischen Bootseinheit unterstützt, welche Mannschaft und Gerät über einen See zur Einsatzstelle brachte.

Nach schweißtreibender Arbeit an beiden Sites konnte der Übungsleitung kurz vor Einbruch der Dunkelheit die erfolgreiche Abarbeitung beider übertragenen Arbeiten übermittelt werden. Nach 2-stündiger Pumparbeit wurde dann von der Übungsleitung der Abbau und die Rückverlegung freigegeben. Das Team traf kurz vor Mitternacht wieder in der BoO ein.

Sofort nach dem Einrücken in die Base wurde der Teamleader zur Evaluierung möglicher weiterer Einsätze für den Folgetag alarmiert; diese Tätigkeit wurde wiederum gemeinsam mit dem Kommando der  bulgarischen HCP- Einheit um 3 Uhr morgens erledigt. Als Ergebnis wurde dem Liason Officer (Verbindungsoffizier) Balthasar Gwechenberger der Auftrag erteilt, um 7:30 den voraussichtlichen letzten Einsatzort im Rahmen dieser Übung zu besichtigen.

Die Rückmeldung dieser Lagebeurteilung vor Ort war der sofortige Einsatzbefehl an das gesamte Team mit allen verfügbaren Kräften und Fahrzeugen in den 30 km entfernten Ort Semlac. Dort angekommen wurden Einsatzabschnitte gebildet und die Gruppenkommandanten in die Lage eingewiesen.

Übungsannahme in Semlac war, den Ausfall einer Großpumpanlage durch das HCP-Modul zumindest teilweise zu ersetzen. Besondere Herausforderung dieser technisch anspruchsvollen Aufgabe waren eine nicht direkt mit Fahrzeugen zugängliche Saugstelle, die Überwindung eines steilen Waldstückes mit ca. 25 m Höhenunterschied sowie eine Leitungslänge von über 500m.

Durch eine durchdachte Kombination der Tauchpumpen der HWA-Einheit und Einspeisung in die HLP konnte innerhalb von weniger als 2 Stunden bereits Wasser gefördert werden, jedoch auf Grund des für die Tauchpumpen grenzwertigen Höhenunterschiedes nur mit sehr geringer Fördermenge. Um die Leistung zu erhöhen wurde die HLP nochmals versetzt, so konnte durch zusätzlichen Saugbetrieb die geförderte Wassermenge fast verdoppelt werden. Die an dieser Einsatzstelle ebenfalls eingesetzte Einheit der Bulgaren wurde durch die TS und B-Schläuche unserer Einheit wiederum unterstützt.

Allerdings wurden durch die Pumparbeiten die Felder von Bauern überflutet (Übungsannahme!), die ihren Unmut darüber mit tätlichen Angriffen an den Einsatzleiter vor Ort sowie den Teamleader unserer Einheit Ausdruck verliehen. Durch einen Polizeieinsatz mit Pfefferspray und der Verhaftung der Angreifer konnte auch diese Situation bereinigt werden.

Kurz danach wurde ein Mitglied der Einheit aus ungeklärter Ursache bewusstlos aufgefunden (ebenfalls Übungsannahme!). Die vor Ort anwesenden Mitglieder des Roten Kreuzes konnten den verletzten Kameraden fachgerecht versorgen und mit Polizei-Eskorte in das nächste Krankenhaus bringen.

Die lokalen Veranstalter nutzten dieses letzte Übungsszenario als „Marketing“ für die Feuerwehren, sodass den ganzen Tag über zahlreiche Vertreter von Politik und Medien vor Ort waren.

Um 16 Uhr wurde dann das erfolgreiche Szenario beendet und das Team konnte erleichtert ins BoO zum angesagten „Social Event“ für den Abend zurück verlegen.

Am nächsten Tag wurde um 6 Uhr morgens mit dem Abbau des Camps begonnen, sodass die Einheit um 08:30 die Rückfahrt nach Salzburg antreten konnte.

Das Führungsteam musste für abschließende Bewertungen und die Abschlussfeier vor Ort bleiben.

Um 21:00 Uhr traf die gesamte Einheit wohlbehalten und ohne Zwischenfälle wieder in Salzburg ein.  

Die Beurteilung der Trainer und Bewerter fiel äußerst positiv aus. Besonders wurden dabei hervorgehoben

  • die Schlagkraft, Organisation und Struktur des gesamten Teams
  • die Interoperabilität (Fähigkeit der Zusammenarbeit des Teams mit anderen Modulen)
  • die äußerst flexible Ausrüstung, welche neben der eigentlichen „Pumpeinheit“ jedes „Seitenszenario“ erlaubt
  • das ruhige und überlegte Arbeiten und die schnelle Reaktion auf alle Anforderungen
  • der starke Teamgeist sowie das hohe Ausbildungsniveau der Mannschaft

Die Führungscrew dieses EU-Moduls möchte sich an dieser Stelle bei allen Mitgliedern der Einheit für ihre geleistete Arbeit, die gelebte, wirklich sensationelle Kameradschaft und den stets passenden Humor ehrlich und wertschätzend bedanken. Ein besonderer Dank gilt zudem den Trainern und Evaluatoren der Übung, in diesem Fall besonders Hr. Regierungsrat Christian Krol vom BM.I, der das Team als Co-Trainer begleitet hat.

 

Bilder: